Anonymes Bloggen
Blogs sind wie eine Kreuzung zwischen persönlichem Telefongespräch mit Zeitungen. Sie sind das perfekte Mittel, sowohl Freunden das Rezept für das Schokoladendessert weiterzugeben oder auch die Grundzüge der Demokratie aufrecht zu erhalten, indem man z.B. der Öffentlichkeit zeigt, wie ein Regierungsvertreter deinem Chef Schmiergeld zahlte.
Wenn du bloggst, dann hast du keine Garantie dafür, eine riesige Leserschaft anzusprechen. Aber zumindest ein paar Leser werden deinen Blog finden und es können genau die Leute sein, die du dort nicht willst bzw. erwartet hast. Darunter können sich potentielle bzw. aktuelle Arbeitgeber befinden, Mitarbeiter und Berufskollegen, deine Nachbarn, Ehegatten/Partner, deine Familie und jedermann sonst, der interessiert daran ist, deinen Namen, Emailadresse oder Spitznamen in Google etc. einzugeben und ein paar Links durchzuklicken.
Der Punkt ist, das im Prinzip jeder letztendlich zu deinem Blog finden kann, wenn dort persönliche Informationen über dich stehen. Und das kann für Probleme sorgen. Familienmitglieder könnten schockiert sein oder betroffen, wenn sie deine unbedachten Gedanken lesen. Ein potentieller Chef wird es sich vielleicht zweimal überlegen, ob er dich einstellt. Aber diese Bedenken sollten dich nicht vom Schreiben abhalten. Stattdessen sollten sie dich dazu anhalten, deinen Blog privat zu halten oder nur bestimmten, vertrauenswürdigen Leuten zugänglich zu machen.
Hier zeigen wir ein paar Vorsichtsmaßnahmen auf, die es dir ermöglichen, dich selbst auszudrücken, ohne Gefahr zu laufen, ungerechtfertigte Folgen tragen zu müssen. Folgst du diesen, kannst du dich vor Benachteiligung und Peinlichkeiten gegenüber Freunden und Kollegen schützen.
Der beste Weg zu bloggen und immer noch ein wenig Privatsphäre zu behalten, ist es, dies anonym zu tun. Aber anonym zu sein ist nicht so leicht, wie du vielleicht denkst.
Nehmen wir an, du möchtest einen Blog eröffnen, über deinen recht unangehmen Arbeitsplatz, aber du willst es nicht riskieren, das dein Chef bzw. deine Arbeitskollegen Wind davon bekommen. Du wirst dir Gedanken darüber machen müssen, wie du jedes erdenkliche Detail bezüglich deiner Situation anonymisieren kannst. Darüber hinaus, wirst du auch diverse Techniken nutzen müssen, die es unmöglich machen, den Blog mit dir in Relation zu stellen.
Nutze ein Pseudonym und gib keine persönlichen Informationen weiter
Wenn du über deinen Arbeitsplatz schreibst, versichere dich, keine weitreichenderen Informationen weiterzugeben. Diese beinhalten Dinge wie deinen Wohnort, die Anzahl der Angestellten und die Art der Firma bzw. des Geschäfts. Auch allgemeine Details können eine Menge erzählen. Wenn du z.B. schreibst "ich arbeite für eine ungenannte, wöchentliche erscheinende, Zeitung in Seattle", dann ist es klar, das du an einem von zwei Plätzen arbeitest. Denk also vorher nach. Stattdessen könntest du sagen, "ich arbeite im Medienbereich, in einer kleineren Stadt". Logisch, das du keine realen Namen nutzt bzw. persönliche Fotos von dir veröffentlichst. Nutze keine Pseudonyme, die ähnlich den realen Namen klingen, wie z.B. Geisenpeter, für Peter. Und denke daran, das nahezu jede persönliche Information deine Identität verraten kann - du bist möglicherweise der einzige an deinem Arbeitsplatz mit einem bestimmten Geburtsdatum oder einer orangefarbenen Katze.
Wenn du darüber besorgt bist, das deine Kollegen über deinen Blog etwas herausfinden, blogge nicht während der Arbeitszeit. Punkt. Du könntest Ärger bekommen, weil du Firmenaustattung nutzt, wie die Internetverbindung, um deinen Blog zu pflegen und es wird sehr schwer für dich werden, den Blog als relevant für die Arbeit darzustellen. Es kann auch sehr schwer sein, deine Tätigkeit auf dem Blog vor unmittelbaren Arbeitskollegen im Büro oder den Mannen aus der EDV-Abteilung zu verbergen, die die Netzwerktätigkeiten überwachen.
Benutze Anonymisierungstechnologien
Es gibt eine Anzahl technischer Mittel für den Blogger, um anonym zu verbleiben.
Invisiblog.com ist ein Angebot, das kostenlos, anonyme Blogs bereitstellt. Du kannst dort einen Blog ohne Angabe realer Daten erstellen. Sogar diejenigen, die den Service anbieten, haben darauf keinen Zugriff. Ein weiterer Anbieter ist http://www.eelbash.org/blogs/.
Edit: Beide down. Stand Februar/2007
Wenn du besorgt darüber bist, das dein Blog-Anbieter deine IP Adresse aufzeichnen kann und so nachvollziehen kannst, woher du bloggst, dann kannst du das anonyme Netzwerk TOR nutzen, um den Blog zu pflegen. TOR leitet den Internet-Verkehr (...durch ein sogenanntes "aufsetzendes Netzwerk", das deine IP Adresse versteckt... schrob der Oli... )( ...über 3 verschiedene Server und verschleiert dadurch deine IP... schrob die missi...)(...netzschlüpfer...schlug der Oli vor...)(...TOR leitet den Internet-Verkehr, durch einen sogenannten "Netzschlüpfer", der deine IP Adresse versteckt....fragt die missi... )( ...Stell dir TOR wie ein Kondom vor, übers reguläre Netz gestreift, gleitest du sicher zu deinem Bestimmungsort
, meinte Oli...)(...Oli ist mit meinen 3server-Satz unzufrieden: das ist aber nimmer korrekt, du wald- und wiesentroll
, schreibt er...) (...lieber schlüpfer und kondom? frage ich ...) Nutzt Tor. Punkt!
Wichtiger noch, TOR erschwert es Schnüfflern im Netz, deinem Datenfluss zu folgen bzw. zu dir zurückzuverfolgen.
Für Leute, die etwas tatsächlich benutzerfreundliches möchten, bietet Anonymizer.com "Anonymous Surfing" an, dieses leitet deinen Netzverkehr durch einen anonymen Server und kann deine IP vor deinem Blog-Anbieter verbergen.
(Für weitere Proxys siehe auch hier.)
Benutze Pingserver
Wenn du deine Privatsphäre schützen möchtest, jedoch gleichzeitig Neuigkeiten schnell verbreiten möchtest, probiere Pingserver aus, die deinen Blog-Eintrag für dich eintragen/verbreiten. Pingomatic ist ein Programm, das es dir erlaubt diese News zu einer Vielzahl von News-Quellen zu verschicken, während es die Herkunft versteckt. Das Programm sendet einen Ping über deinen Blog-Eintrag an diverse Blog-Suchmachinen wie Feedster und Technorati. Listen diese Seiten erst einmal deinen Eintrag, überlicherweise innerhalb von Minuten, kannst du diesen wieder löschen. Deshalb gehen die Nachrichten sehr schnell raus und die Quelle kann innerhalb einer halben Stunde wieder verschwinden. Das schützt den Poster und hilft den Blogeintrag schnell zu verbreiten.
Begrenze deine Leserschaft
Viele Blog-Anbieter, zum Beispiel LiveJournal (nutze anonyme Emailadresse wie zum Beispiel Hushmail oder Safe-mail zur Anmeldung), erlauben es dir bestimmte Einträge oder den gesamten Blog nur jenen mit einem Passwort zugänglich zu machen, die du als Freunde bezeichnest. Wenn das Hauptziel deines Blogs ist, mit Freunden und Familie zu kommunizieren und du jeglichen Kollateralschaden in puncto Privatsphäre vermeiden möchtest, ziehe die Nutzung einer solchen Möglichkeit in betracht. Wenn du deinen eigenen Blog hast, kannst du diesen oder aber Teile davon ebenso mit einem Passwort schützen.
Kontrolliere die Suchmaschinen
Wenn du das Gros der Suchmachinen, wie Google, davon abhalten möchtest, deinen Blog in deren Suchergebnisse aufzunehmen, kannst du eine spezielle Datei erstellen, die diesen Suchdiensten die Indizierung deiner Domain untersagt. Die Datei nennt sich robots.txt oder Robots Text File. Du kannst diese auch dazu nutzen, um Suchmachinen den Zugang zu bestimmten Teilen deines Blogs zu verwehren. Wenn du nicht weißt, wie das du anstellen mußt, dann kannst du einen Generator für diese Aufgabe nutzen, kostenlos beispielsweise bei Searchcode.de. Jedoch ist es wichtig zu wissen, das einige Suchmaschinen möglicherweise die Datei robots.txt ignorieren, und dadurch deinen Blog so leichter auffindbar machen. Es gibt eine große Anzahl von Programmen und Tricks, um das zu verhindern. (siehe hier und hier z.B.)
Registriere deine Domain anonym
Auch wenn du deine Realdaten nicht in deinem Blog Preis gibst, kann man sich die WHOIS Einträge anschauen und anhand deines Domain-Namens deinen realen Namen herausfinden. Wenn du das nicht magst, ziehe die Möglichkeit einer anonymen Registrierung in Erwägung.
Möglich ist so etwas beispielsweise bei
http://www.godaddy.com/ ,
http://www.katzglobal.com/
oder
http://www.namecheap.com/.
Blogge, ohne gefeuert zu werden.
Eine handvoll Blogger hat in letzter Zeit erfahren müssen, das ihre Lieblingstätigkeit zu Arbeitslosigkeit führen kann. Gemäß einiger Erhebungen, wurden dutzende Leute wegen Bloggens gefeuert und die Zahl steigt täglich. Die schlechte Nachricht ist, das in vielen Fällen keine Mittel bezüglich Wiedergutmachung existieren, falls man wegen des Bloggens entlassen wurde.
Während dein Recht auf freie Meinung geschützt ist durch Artikel 5 des Grundgesetzes, schützt dieses Gesetz nicht vor den Konsequenzen dessen was du äußerst.
Ein Weg sicherzustellen, das dein Blog keinen blauen Brief erhält, ist es über bestätigte Fakten (keine Gerüchte) zu schreiben.
Blogge ohne Angst
Blogs bekommen eine Menge Aufmerksamkeit heutzutage. Du kannst nicht mehr länger mit Sicherheit annehmen, das die Menschen in deinem Leben abseits des Datenstroms nicht über deinen Blog herausfinden, wenn du es überhaupt jemals konntest. Die neuen RSS Programme und Dienste bedeuten, das es im Prinzip einfacher denn je ist, Blogeinträge zu suchen und zu sammeln. Solange du anonym bloggst und auf sichere Art und Weise, ist es kaum denkbar, das das online Gesagte auf dich verletzend zurückfällt.
So, wir haben hier mal die Gesetzestexte bezüglich des amerikanischen Arbeitsrechtes rausgenommen, da sie hier für uns nicht relevant sind. Stattdessen verweise ich an dieser Stelle auf das Jurawiki.
Und das wichtigste zum Schluss: Schaltet den Kopf ein!
(Am Text gefummelt: Oli, Korrupt und Missi)
Mehr Links:
C|Net’s guide to workplace blogging
How Tor works
A list of fired bloggers
EFF’s Legal Guide for Bloggers, a larger, more comprehensive look at the legal issues facing bloggers
Artikel 5 Grundgesetz
Whistleblower-Netzwerk
http://dmoz.org/Society/Work/Whistleblowing/
Gefährdet Bloggen den Arbeitsplatz?
Handbook for bloggers and cyber-dissidents
Kamuflaro