"Ey, wat sind wir Helden..."
Man beschloss mehr oder weniger spontan "Kneifst du?" zelten zu fahren.
Von daher machte man sich hier in Berlin, nicht ohne die ersten kleineren Verluste, "Wir haben den Schlafsack verloren", "Wir haben die Isomatte verloren" "War das gerade unser Zug?" auf dem Weg nach Greifswald, genauer gesagt nach "Das ist nicht ganz so weit, wenn das Wetter wirklich gruselig wird, sind wir schneller wieder zu Hause" Loissin.

Gut informiert über die weiteren Fahrtmöglichkeiten erreichte man alsbald Greifswald und begab sich zum "Ich hab mir den aufgeschrieben!"- Bus. Der fuhr auch mal... vor drei Jahren das letzte Mal, erklärte uns der Busfahrer, der uns freundlicherweise ein wenig weiter in die Pampa beförderte und uns dann an einer nahegelegenden Kreuzung "Ihr müsst nur den Weg hier gerade aus, dann kommt ihr dahin" absetzte.
Nach gefühlten tausend Kilometern Fußmarsch kam man dann auch auf dem Zeltplatz an, baute im Dunkeln das Nachtlager, um in diesen dann seine ersten Nahtoderfahrungen in Sachen Kältetod zu sammeln. Am nächsten Tag umhüllte man das Zelt, campingerfahren wie man war, mit der mitgebrachten 99cent Malerplane. Nun hatte man es feucht, aber warm.
Neue Nachbarinnen gesellten sich auch schnell dazu, angereist mit Gepäck für mindestens eine Woche, wir nannten sie Sabine und Frau Arschgeweih, Sachbearbeiterinnen von Beruf, die uns nach ihrem Zeltaufbau freundlichst ermahnten, das es nun Nachtruhe ist und wir doch gefälligst leise sein sollten. Nach mehrmaliger penetranter Nachfrage, ob wir sie denn auch verstanden hätten, gaben sie Ruhe und krochen in ihre Behausung zurück, der Gedanke, einfach auf italienisch eine Pizza bei ihnen zu bestellen, kam uns leider erst zu spät, schlimmstenfalls hätten sie uns sogar verstanden.
Nachtens um 3 besuchte man uns dann doch noch einmal und klagte sein Leid in Form von "Ich kann nicht schlafen, ich höre Stimmen."
Dagegen gibt es Tabletten. Wirklich.
Am nächsten Tag beschlossen unsere zwei hübschen, das Lager bei lauter Popmusik zur Mittagsruhe(!!) zu räumen und, wir vermuten es zumindest, einen Zeltplatz aufzusuchen, bei dem es keine fußballfeldgroßen leeren Flächen gibt, wo man sich hätte hinstellen können.
Geweckt von DJBobo&Co warf man den "Mehr Power, Tim!"- CampingGaz Binford- Powerkocher 6000 an,
mixte ein stark koffeinhaltiges Getränk zusammen und stellte 2 Minuten später fest, das so ein Kocherbranding am Handgelenk doch auch sehr leet aussehen kann.

Das kommt davon, wenn man selbst Kaffee kocht. Jawohl.
Neidisch auf meine hübsche, neue Handgelenksverzierung legte man sich einige Minuten später ein eigenes zu, welches kurz vor der drohenden Amputation natürlich fachgerecht von mir verbunden wurde.
So verbrachte man dann also die Tage mit den Dauercampern Hugo&Petra und ihrem Gestellhund, Gerda&Rufus, Klaus&Wotan und nicht zu vergessen Horst und sein Dackel Waldi, die täglich wie die Geier um einen kreisten ihre Runden um unser Zelt drehten, lies sich in den sanitären Anlagen durch fest in der Decke installierte Lautsprecher mit Wolle P. und Grönemayer beschallen, schnupperte neidvoll gegrilltes, totes Tier aus allen Windrichtungen und beschloss schlussendlich, sich einen eigenen Grill zu klau organisieren. Nachdem dann auch endlich die Frage geklärt war, ob man punk oder leet sein wollte, anders ausgedrückt, ob man dem Zeltnachbarn Holzkohle klaut oder Holz sammeln geht, begab sich mein Begleiter in einen weitläufigen Sicherheitsabstand und schaute skeptisch und nicht ohne seine Skepsis auch sprachlich zum Ausdruck zu bringen, wie ich ein Feuer zum brennen bekomme. 5 Minuten später trabte man dann doch in das Lädchen "Ihre Kette", wie er laut Tütenaufdruck benamst war und jagte abgepacktes totes Tier.
Ick war ja schließlich mal Pionier!
Als wollte uns der große Root für das Wetter entschädigen, was er uns da in der internetzlosen Woche um die Ohren gedroschen hat, offenbarte er uns noch eines der großen Geheimnisse, welches der Menschheit verborgen geblieben ist:
Wir wissen nämlich nun, wo die DAUs wohnen. Neben den Jägers und den Richters nämlich.
Gilles