GPG? Was?
"Geheimer Schlüssel, öffentlicher Schlüssel? Ich versteh kein Wort!"
Das ist in etwa immer die Reaktion, die ich zu hören bekomme, wenn ich jemanden ans Herz lege, seine/ihre Mails doch zu verschlüsseln und denjenigen dann mit Links zu Tutorial x und y bewerfe. Mit der Konsequenz, dass dann leider meist ein Vorhang fällt und die Sache an dieser Stelle dann mit einem "ich bin zu blöd dafür" zu den Akten gelegt wird. Was eigentlich schade ist, denn was nützen all die schönen Anleitungen da draußen, wenns bereits an der Einleitung scheitert.
Von daher: Lassen wir mal den ganzen technischen Klimbim an dieser Stelle weg und schaun uns mal eben an, um was es da überhaupt geht.
Deine Emails sind im Netz in etwa das, was eine Postkarte im richtigen Leben ist. Jeder kann sie mitlesen, sei es ein gelangweilte Admin auf einem der Mailserver, über die deine Email geht oder auch jeder, der einen lokalen Zugang zu deinem Rechner hat.
"Ich hab nichts zu verbergen! Sollen sie doch! Mir doch egal!" höre ich täglich mindestens 4x. Privatsphäre hat nichts mit irgendwelchen Sachen zu tun, die man zu verbergen hätte. Es geht einfach nur darum, das es niemanden etwas angeht, was ihr schreibt, oder wer euch was schreibt. Niemand würde es prickelnd finden, wenn man morgends von seinem Briefträger mit einem freundlichen "ach, da war ich auch schon im Urlaub und bei uns war das Wetter nicht ganz so schlecht." begrüßt wird und erst danach die Postkarte seiner Freunde/Verwandten in die Hand gedrückt bekommt. Das als harmloses Beispiel. Geh mal in deine Inbox und schau selbst, bei wievielen Emails du nicht glücklich wärst, wenn die öffentlich wären. Mehr als eine? Siehste, und schon hast du einen Grund, zu verschlüsseln.
Verschlüsselung ist nichts anderes als deine Post in einen Briefumschlag zu tun. Briefumschläge, die nur der richtige Empfänger öffnen kann.
Ein Beispiel: Ich schreibe an Oli eine Mail. Ich will nicht, dass der Chris die unterwegs auf dem Server abfangen kann. Also steck ich meine Mail in einen Oli- Umschlag. (Olis öffentlicher Schlüssel, den er mir vorher schickte.) Oli kann diesen Umschlag nur öffnen, wenn er dazu berechtigt ist. Er braucht dafür einen geheimen Schlüssel mit Passwort.
Wir brauchen also 2 Schlüssel: Einen öffentlichen, den wir an die Leute verteilen, damit sie die Mails an uns in einen Umschlag stecken können und einen geheimen (den wir sinnigerweise nicht verteilen), mit dem wir unsere Emails wieder entschlüsseln können. Nichts anderes ist gemeint mit öffentlichen und privaten Schlüsseln.
"Gut, nun kann nur noch Oli die Mail öffnen. Ich will aber meine versendeten Mails an Oli auch in 2 Monaten noch lesen können."
Das ist gar kein Problem. Man kann eine Email an mehrere verschiedene Leute verschlüsseln. Wenn ich zum Beispiel dem Chris und dem Oli eine Mail senden möchte, dann verschlüssel ich einfach an 2 öffentliche Schlüssel. Nun können Chris und Oli die Mail mit jeweils ihren geheimen Schlüssel wieder öffnen. Und das machen wir uns im obrigen Fall zu Nutze: Wir verschlüsseln die Mail einfach zusätzlich an unseren eigenen öffentlichen Schlüssel und können damit die Emails mit unserem eigenen geheimen Schlüssel wieder entschlüsseln.
"Ok, ich habs verstanden. Wie gehts nun weiter?"
Eine kurze, knappe 15 Minuten- Einrichtung anhand von TheBat:
Wir brauchen GPG4Win. Eine schmerzlose, bebilderte Anleitung zur Installation hat der Kai schon geschrieben, darum überspring ich das mal an dieser Stelle.
(Ein Tipp allerdings noch von mir an dieser Stelle: WinPT in den Autostartordner packen.)
Wichtig: Der von ihm unter den Bildern angesprochene Punkt "System- und Benutzervariablen für GnuPG" ist zwingend notwendig, denn sonst erkennt die Fledermaus GPG nicht. Nach dieser Änderung muss man den Rechner dann neustarten.
(*neustart* *abwart*)
So, nun sollte sich im Tray (wenn WinPT im Autostart) ein grauer Schlüssel finden, der bei Doppelklick einen Schlüsselmanager anzeigt. Vermutlich wird nur euer eigener, bei der Installation angelegter Schlüssel drin liegen.
"Brauch ich für jede meiner Emailadressen einen Schlüssel?" - Kurz und schmerzlos: Ja. (Schlüssel -> Neu
)
Ok, kommen wir zur Fledermaus:
1.) Hilfsmittel ->PGP->Version wählen: Dort wählen wir "Gnu Privacy Guard".
"Das ist ausgegraut, ich kann nur Intern wählen" - Du hast vergessen, den Pfad in den Systemvariablen einzutragen.
(1.a Oli drängelt
)
2.) Hilfsmittel ->PGP->PGP- Einstellungen:

Mit Punkt 1 verschlüsseln wir zusätzlich zum Empfänger auch immer an uns selbst. Somit bekommen wir die versendeten Emails (s.o.) auch später wieder auf.
Punkt 2 mag bei TheBat nicht, den einfach unangehakt lassen.
3. Wollen wir das Passwort zwischenspeichern? Wenn ja, siehe nächsten Punkt.
Mit Punkt 4 können wir einstellen, wie lange wir das Passwort zwischenspeichern wollen, damit wir nicht bei jeder Email die Passphrase neu tippseln müssen. 60 Minuten bietet sich allerdings nur an, wenn man 100%ig weiß, dass niemand auch nur irgendwann innerhalb dieser 60 Minuten an deinen Rechner kommt. Normalerweise empfehle ich eine Zeitspanne von 5 Minuten.
Das selbe dann nochmal für Punkt 5 und 6. Punkt 7 ist optional.
"Was ist der Unterschied zwischen Verschlüsselung und Signatur?"
Mit einer Signatur kann man seine Email unterschreiben, auch ohne sie zu verschlüsseln. Anhand solch einer Signatur kann ich überprüfen, ob die Email wirklich vom Oli kam und nicht irgendwer einfach nur seine Emailadresse fälschte.
Im zweiten Tab "Dateien" tragen wir nun die Pfade ein, die TheBat zum arbeiten braucht:

"Woher bekomm ich die Pfade?"
Hier stellt sich die Fledermaus auch ein wenig dusselig an und erkennts nicht selbst. Wir öffnen WinPT im Tray: GPG -> Einstellungen. Im ersten Feld (Heimatverzeichnis) findet sich dieser, im Normalfall
x:\Dokumente und Einstellungen\username\Anwendungsdaten\gnupg
was wir uns da einfach rauskopieren und in TheBat eintragen. Der öffentliche Schlüsselbund heißt "pubring.gpg", der private "secring.pgp".
Die Datei mit den Zufallswerten findet sich im selben Verzeichnis unter dem Namen "random_seed.bin".
"Hab ich alles. Was nun?"
Das wars schon. Ok, und wie nutzt man das jetzt alles?
Wir brauchen ein Testkaninchen, welches wir nun unsere erste Mail um die Ohren hauen. *umgugg* *verdammt*
Ok, wir benutzen die Missi nun als Testkaninchen, um ihr unsere erste Mail um die Ohren zu hauen:
Mein Schlüssel findet sich hier. Entweder speichert man sich diesen auf der Festplatte (als .asc) und importiert diesen dann oder aber zieht ihn sich direkt vom Server.
"Wie?"
WinPT -> Schlüssel -> Importieren (Importieren via HTTP: URL zum Schlüssel)
Zurück zur Fledermaus:
Neue Email an (gpgtesten at entartete-kunst punkt com)
(…irgendwelcher Text, kontonummern und heiratsantrag…)
Menue "Sicherheit" -> Haken an Verschlüsseln und signieren und abschicken das ganze.
"Der jammert wegen nem ungültigen Schlüssel"
Ja, das ist nen Bug in der Fledermaus, aus irgendwelchen Gründen akzeptiert der nur Schlüssel, die wir vorher als vertrauenswürdig deklariert haben. Im WinPT den Schlüssel doppelklicken und "Vertrauen" ändern.
(Nun jammert WINPT zwar auch kurz, aber lass ihn sabbeln.)
Nu aber abschicken das ganze. Wer mir seinen neuen öffentlichen Schlüssel (Rechtsklick im WinPT auf seinen Schlüssel "Schlüssel in die Zwischenablage" oder "Schlüssel an Mailempfänger") direkt mitsendet, bekommt, wenn ich dazu komme, auch ne kurze Bestätigung, ob es funktioniert hat.
In den Kontoeigenschaften im TheBat läßt sich das Signieren und Verschlüsseln auch via Optionen -> "PGP aktivieren" "Signieren nach Beenden" auch automatisieren, "Verschlüsseln nach Beenden" bietet sich nur an, wenn man an jeden seiner potentiellen Mailempfänger verschlüsselt, von daher diesen Haken da nicht machen.
So, und nu nochmal kurz: Installieren, Schlüssel erstellen, Systempfad einstellen, einmal Neustarten, ein paar Haken setzen in der Fledermaus und ruhiger Schlafen.
"Ich nutze doch aber TheBat garnicht"
Aber ich und auf einen "Das&Das ist besser" - Krieg lass ich mich garnicht erst ein.
Links:
Eine Anleitung für Thunderbird gibt es hier, zu Outlook hier und beim Kai drüben gehts dann richtig ins Detail.
Ebenso finden sich hübsche Anleitungen beim Alp Ukan.
Und was es mit den Signaturen auf sich hat, erklärt onkelchen hier.
rsx