Reisenotizen
Das Schlafen versemmelt....
"Als ich das letzte Mal auf die Uhr schaute, war es doch noch dunkel..."
Nunja... Übermüdet packe ich meinen Kram zusammen. 3 Mal, denn jedesmal habe ich das Gefühl, etwas vergessen zu haben, was mich dazu zwingt, meinen Rucksack auszupacken und zu schauen, ob ich $Gegenstand auch eingepackt habe.
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Ich trete vor die Tür und weiß binnen 5 Minuten, dass ich die falschen Schuhe anhabe. Die aus Stoff nämlich, welche so hübsch durchweichen, wenn man bootgewöhnt durch die Pfützen latscht.
Zum Umkehren ist es jetzt eh zu spät, denn da kommt mein Bus.
Ersetzte Bus mit "Sardinenbüchse", das Einsteigen ist nämlich nicht möglich, ohne dass die bisherigen Insassen aussteigen. Oder sich eben alternativ übereinanderstapeln.
Und nun offenbart sich der wirkliche Nutzen chronischen Untergewichts: Man besitzt Ellenbogen. Spitze Ellenbogen.
Ich bekomme also meinen Sitzplatz, während sich der übrige Insassenstrom weiterstapelt.
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Berlin- Hauptbahnhof:
Das erste, was mich visuell anspringt, ist die Anzeigentafel, welche verkündet, mein Zug käme 15 Minuten später. Ich stieg soeben mit nassen Füssen aus einer Sardinenbüchse, von daher empfinde ich dies nur als eine logische Konsequenz.
Auf der Suche nach einem koffeeinhaltigen Grundnahrungsmittel treibt es mich zu einer bekannten Schnellimbisskette, welches mir mit einem großen gelben M visualisiert:
"Missi! Hier!"
Ich flüchte mich in eine ruhige Ecke...welche 5 Minuten später von einem schwedischen Entenzug einer schwedischen Sportlerinnengruppe belagert wird. "Kakservice" steht auf ihren Ärmeln und bevor ich diesen Gedanken weiter in mein Hirn dringen lasse, beschließe ich, die Futterstelle zu verlassen. Nicht ohne vorher noch zu randalieren und das nächstgelegene Tablett mit meinem Ärmel mitzureißen. Das scheppern höre ich dann allerdings nicht mehr, mein MP3- Player startet in diesem Augenblick Archives "Get out" und mir scheint das wie ein guter Plan.
"25 Minuten Verspätung" prangts im übrigen mittlerweile an der Anzeigentafel..
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Ich habe einen Sitzplatz, was in sofern spannend ist, da der halbe Zug wegen $Schaden in Berlin stehen blieb. Das erste, was ich vernehme, ist ein Handyklingel und ein Windows-Startsound. Ich verstecke mich unter meinen Kopfhörern und verbringe die nächsten Stunden mit Schizophrenie, Paranoia und Massenselbstmord.
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Von den Verständigungsschwierigkeiten im Ausland schrob ich letztens schon, das lässt sich allerdings noch perfektionieren.
McDo 1: "Nen Kaffee..." sag ich und bekomme Orangensaft. In Anlehnung ans letzte Mal: Ich irritiere mein Gegenüber, in dem ich anfange zu lachen und erst dann reklamiere. Ich bekomme 2 Espresso in einem Kaffeebecher, gebe mich, in Hinblick darauf, das weitere Versuche eventuell in einem Milchshake enden könnten, damit zufrieden und beschließe, Waschlappenverkäufer in einem Wiener Stadtpark zu werden.
BK1: "Nen Kaffee..." sage ich und der junge Mann deutet auf den Erfrischungsgetränkeautomaten hinter sich. Ich irritiere ihn mit einem lauten Lachen, bevor er das scheinbare Nationalgetränk abfüllt, loope noch 2 Mal meine Bestellung und beantworte seine Nachfrage "Heiß?" mit einem "Ja". Ich bekomme im Anschluss daran Sprachunterricht, man weißt mich darauf hin, dass das Gewünschte in diesem Lande "Kaffeeee" heißt. Ich beginne, das Problem zu verstehen.
BK2: Ich verzichte auf weitere Experimente und lasse meine einheimische Begleitung bestellen. Gerüchteweise bot man auch ihm kalten, orangefarbenen Kaffee an.
Südbahnhof: "Nen Kaffee zum Mitnehmen" sage ich und man füllt Kaffee in eine Porzellantasse. Immerhin kommen wir der Sache schon näher.
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"Ich fahre mit Antonín Dvorák durch die Tschechoslowakei und lese Fjodor Michailowitsch Dostojewski" simse ich 65daysofstatic- hörend und bereite Berlin damit auf meine Ankunft vor. Ich präge mir die korrekte Schreibweise von "Praha Holešovice" ein, während der Zug einen ausserplanmäßigen Halt aufgrund einer scheinbar plötzlich aus dem Nichts aufgetauchten Baustelle von 45 Minuten einlegt und lerne, wie man Ústí nad Labem ausspricht, denn man war darauf bedacht, im Minutentakt die verzögerte Ankunft in eben diesem Bahnhof anzusagen.
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Die englischen Zugdurchsagen bringen mich zum Lachen, was nur bedeuten kann, das ich wieder auf deutschen Boden bin. Und auch Deutschland scheint mit der Technik zu kämpfen, denn kurz vor Dresden stoppt der Zug und man knarrzt duch die Leitung, das der Zug sich gerade in seine Bestandteile aufzulösen droht und die Ankunft in Dresden "Mintstääätjion" sich etwas verzögert. Nach etwa 15 Minuten scheint dann Draht und Gaffatape zu sitzen, hoffnungsvoll verkündet man die nun baldige Ankunft, sagt Züge durch, die man noch erreichen könnte, rollt 5 Minuten weiter und stoppt erneut, um den Draht noch mit Sekundenkleber zu fixieren.
Mit 1 1/2 stündiger Verspätung wechselt dann das Publikum entnervte Bahnfahrer mit entnervte Wartende.
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Ich habe es aufgegeben, aktuelle Wasserstandsmeldungen ob meiner eventuellen Ankunft nach Berlin zu senden. "Mach dir nen Kaffeeee, ich melde mich." klang mir nach einer sinnvollen Ankunftszeit. Ich schaue ein wenig aus dem Fenster, halte nach vorbeifliegenden Zugteilen Ausschau und unterhalte meine Mitreisenden mit zynischen Gedankengängen, welche die Worte "Warme Decken & Care- Pakete" beinhalten. Wir halten vor Berlin und das Zugpersonal unterstützt meine Theorie, indem man von Schaden am Zugfahrzeug berichtet und eine daraus konsultierende Umleitung über Schönefeld. Diese Entscheidung konnten mir auch meine Zelleninsassen Mitreisenden nicht erklären, aber ich muss ja auch nicht alles verstehen.
Ich unterdrücke den Drang, von "zugheilenden Warptunneln in Schönefeld" zu erzählen, vergrabe mich wieder in mein Buch und lausche am Rande der Zugdurchsage, das man gedenkt, um 21:00 in Berlin/Hbf anzukommen und kostenlose Getränke am Hauptbahnhof verteilt werden.
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Ich komme so gegen 21:00 am Bestimmungsort an und man hält mir ein Freigetränk unter die Nase.
Ein Trinkpäckchen.... Orangensaft.
mike